Stellt euch vor, es ist Donnerstag und plötzlich weigert sich euer Notebook, Bilder in HTML-Seiten anzuzeigen. Videos gehen selbstverständlich auch nicht. Und natürlich endet alles, was graphische Effekte beinhaltet, in einem Nervous Breakdown des gesamten Systems. Milde beunruhigt kontaktiert ihr einen Freund und bittet ihn, euch eine externe Festplatte zwecks Backup zu borgen. Freundlicherweise bringt er diese auch gleich am nächsten Tag vorbei. Hilft nur nichts, denn nun mag das Notebook nicht mal mehr anspringen. Immerhin erfahrt ihr von eurem Freund, dass der Hersteller eurer Graphikkarte zur Zeit seine Goldreserven verflüssigt, um den Umtausch tausender fehlerhafter Graphikkarten aus genau eurer Serie zu finanzieren. Wie lang mag so eine Umtauschaktion dauern? Drei bis sechs Wochen? Wann wird der Computer spätestens wieder für für Job und Studium benötigt? Ach ja, Montag. Aber es hilft ja nichts, nur dazusitzen und zu jammern. Und ohnehin müsst ihr in 30 Minuten euren Wochenendbesuch vom Bahnhof abholen.
Eine Stunde später seid ihr wieder da und so langsam aber sicher verlangt euer Verdauungssystem ein größeres Opfer. Also begebt ihr euch an euren Opferaltar und bereitet eine große Portion Spaghetti vor. Die gelingen sogar so weit ganz gut, nur die Soße will einfach nicht ordentlich warm werden. Naja, dreht man halt die Kochplatte noch etwas höher und lässt das ganze noch ein paar Minuten köcheln, während ihr euren Besuch betüdelt, der schon per definitionem unfähig ist, sich allein zu beschäftigen. Immerhin fragt er euch zu gegebenem Zeitpunkt, ob es gewollt ist, dass das obere Ende eures Soßentopfs im 45-Gradwinkel steht. Nein, ist es nicht. Ist aber interessant zu wissen, dass sich die oberste Schicht des Topfinneren aufbläht und ablöst, wenn man einen zweiten Topf, der exakt in ersteren passt und ihn luftdicht abschließt, reinstellt, mit Pastasoße befüllt und das ganze dann auf hundertachzig Grad erhöht.
Nachdem ihr eine leckere Portion Spaghetti mit Ketchup verputzt habt, geht ihr zum nächsten Programmpunkt über und geleitet euren Besuch zur örtlichen Videothek. Da eure Begleitung die Entscheidungsfreudigkeit eines Kartoffelsacks hat, trifft auch gleich euer erster Filmvorschlag auf ein begeistertes „Ich weiß nicht“. Überwältigt von solcher Bestimmtheit stellt ihr noch ein Dutzend anderer Filme zur Wahl, denen euer Gast mit ähnlich definiten Kommentaren wie „Mh“, „Kann mich nicht entscheiden“ und „…“ begegnet. Am Ende wählt ihr den Film alleine aus.
Zurück in der guten Stube schmeißt ihr Das Phantom der Oper in euren DVD-Player, um wenigstens für zwei Stunden die Ärgernisse des Tages zu vergessen. Gut 40 Minuten später entscheidet der DVD-Spieler, dass er Phantom der Oper nicht mag und lieber abstürzt. Er mag ihn sogar so wenig, dass er auch euch vor weiterer Belästigung durch ihn schützen will, indem er das DVD-Fach nicht wieder öffnet. Somit habt ihr nicht nur eine defektes Notebook, einen zerstörten Kochtopf und einen kaputten DVD-Player, sondern auch noch eine unter Verschluss gehaltene Leih-DVD. Ach ja, Studiengebühren und Miete hattet ihr auch grad erst überwiesen.
Mann, bin ich froh, dass mir so was nicht passiert ist. Nichts für ungut, Minna.
Hoffe ihr hattet auch ein schönes Wochenende,
euer Scam
PS: Zumindest teilweise hat das ganze für die arme Minna noch ein gutes Ende genommen. Ihre Graphikkarte wurde in der folgenden Woche vor Ort von einem Techniker ausgetauscht und sie erhält ein weiteres Jahr Garantie auf das gesamte Notebook. Auch der DVD-Player hat letzen Endes die Disc ausgespuckt. Player und Topf wird sie wohl trotzdem ersetzen und auch eine externe Festplatte für regelmäßige Backups steht nun ganz oben auf der Einkaufsliste. Hinterher ist man immer klüger.
Klingt nach einem, für Außenstehende, witzigen Wochenende.