Das ich ein talentiertes Kerlchen bin, ist ja allgemein bekannt. Doch heute morgen habe ich bewiesen, wie gefährlich sogar ein ordinäres Besteckmesser in meiner Hand werden kann. Also vor allem für mich. Und meine Hand.
Dazu sei gesagt, dass ich mein Brot beim Bäcker immer vorschneiden lasse. Daheim (oder zuhause, je nach der dialektischen Präferenz des Lesers) kommt es dann in die Tiefkühltruhe. Nach Bedarf trenne ich dann einzelne Scheiben ab und taue sie mit der entsprechenden Funktion meines Toasters wieder auf. Leider pappen die Scheiben meist durch den Tiefkühlvorgang recht stark aneinander und ich kann ja schlecht jedes Mal warten, bis das ganze Brot antaut. Täte ihm bestimmt auch nicht gut. Stattdessen steche ich mit einem handelsüblichen Messer in die Trennkante und heble die Scheibe ab.
Die heutige Scheibe fand das nicht so gut und bot einigen Widerstand. Bis sie dann eben keinen Widerstand mehr bot. Mein Finger aber auch nicht, als die Klinge durch ihn hindurch rutschte. Sich mit scharfen Klingen zu schneiden ist schon unangenehm, aber die Schnitte sind immerhin glatt. Sie schneiden vielleicht tief, aber nicht auch noch breit und reißen auch keine Haut ab. Besteckmesser tun das.
Und um alles noch schlimmer zu machen, war ich ganz allein in meiner Wohnung. Niemand, dem ich mein Leid verkünden und meine gar schrecklich blutende Wunde zeigen konnte. Also sparte ich mir das Wehklagen, nuckelte ein wenig am Daumen und packte zeitnah ein Pflaster drauf.
Ich kann wohl froh sein, dass es mir immerhin mit meinem eigenen Messer und nicht mit einem Mensamesser passiert ist. Die sind bekanntlich so stumpf, dass man selbst sein Fleisch mit der Rückseite besser schneiden kann.