Das Leben in einem Studentenwohnheim hat so seine ganz eigenen Tücken. Solange man sich in seinem eigenen Wohnklo verkriecht, ist man meist nur den auditiven Schikanen seiner Nachbarn ausgesetzt, sei es nun ihre Vorliebe für die Tophits der aktuellen Bollywoodproduktionen oder ihre laute neue Freundin.
Begeht man aber den Fehler, seine vier Wände zu verlassen (ich votiere ja immer noch für Rutschen, die aus jeder Wohnung direkt zur Bushaltestelle führen), ergeben sich völlig neue Gefahren. Eine nie versiegende Problemquelle, die jeder kennen dürfte, der sie schon mal mit anderen Bewohnern eines Wohnkomplexes teilen musste, ist die Waschmaschine.
Die bei uns hat etwas mit meinem Auto gemeinsam: Sie sind beide älter als ich. Handelt es sich bei meinem Wagen aber nur um ein paar Monate, so konnte ich für den Laundr-o-mat einen alten Zeitungsartikel sicherstellen, der klarstellt, dass meine öffentliche Vermarktung fünf Jahre nach der dieses Waschvollautomaten stattfand.
Also gut, die Maschine ist noch aus der Zeit als die Frauen noch Schwänze hatten, aber sie läuft noch irgendwie. Der Fokus liegt auf irgendwie. Gewaschen wird die Wäsche zwar, aber wenn man sie heraus holt, könnte man ein mittelgroßes Weltmeer mit der Nässe befüllen, die man noch aus ihr herauswringen kann.
Da das Volumen meines Zimmers aber begrenzt ist, habe ich nicht die Möglichkeit, die ganze Flüssigkeit dort abtropfen zu lassen, also muss das Problem zeitnah gelöst werden. Selbst ist der Mann, denke ich mir; dieses Problem kriege ich in Nullkommanichtsgelöst. Zwei Minuten später stehe ich vor der Tür der Techniktutorin und bitte sie um Hilfe.
Meine persönliche Lieblingstheorie ist ja, dass die altersschwache Maschine einfach nicht mehr schnell genug schleudert, um das Wasser aus der Kleidung zu pressen. Das würde allerdings eine aufwändige Reparatur oder einen Ersatz der Maschine bedeuten, daher geht die Tutorin mit mir erst die üblichen kleineren Fehlerquellen durch. Ja, der Strom ist angeschlossen, defragmentieren der Waschtrommel bringt keine Änderung und auch Strg+Alt+Entf löst das Problem nicht. Zuletzt bleibt noch die obligatorische Überprüfung des Flusensiebes, die das unzureichende Ablaufen des Wassers erklären könnte. Ich ziehe das Sieb aus der Maschine und halte es der Tutorin entgegen. Keinerlei Schmutz, der den Ablauf verhindert. Also muss es doch ein Problem mit der Schleudergeschwindigkeit sein. Ich wusste es! Schön ist die Aussicht auf eine zeit- und kostenintensive Reparatur zwar nicht, doch immerhin habe ich recht behalten.
Das sieht auch die Tutorin sofort ein, denn sie beugt sich herunter, schaut in den Schacht, der für gewöhnlich das Flusensieb beherbergt, greift herein und zieht eine zerfledderte Socke heraus. Ich liebe es, wenn ich recht behalte.
Die Maschine dreht also noch so gut, wie am ersten Tag. Ob das gut ist, beurteile ich nach der nächsten Waschladung. Doch viel erschreckender als mein Talent, Fehler instinktiv zu ahnen, finde ich folgende Schlussfolgerung, die sich mir aufdrängt: Waschmaschinen fressen DOCH Socken…
Aua! Vom Lachen tut mir alles weh.
Wer Böses denkt, würde behaupten: Intelligenz ist oft gepaart mit technischer Inkompetenz. Oder hast Du an einer Waschmaschine schon die Any-Key-Taste gefunden?
Gut, dass es Tutorinnen gibt …
gnichel …